Ratgeber
Barrierefreie Website: was sie ausmacht und woran es scheitert
Ob Homepage, Internetseite oder Online-Shop: Barrierefreiheit im Web entscheidet, ob alle Besucherinnen und Besucher Ihre Website bedienen können, und für viele Unternehmen ist sie seit Juni 2025 gesetzliche Pflicht. Diese Seite zeigt die Bausteine einer barrierefreien Website, die häufigsten Fehler aus der Praxis und den Weg zur geprüften Umsetzung.
Was macht eine Website barrierefrei?
Barrierefreiheit ist dabei keine Eigenschaft, die eine Website hat oder nicht hat. Sie setzt sich aus vielen einzelnen Entscheidungen zusammen: jedem Bild, jedem Formularfeld, jeder Farbe, jedem Stück Code. Was der Begriff grundsätzlich bedeutet und für wen Barrierefreiheit den Unterschied macht, erklärt die Seite Digitale Barrierefreiheit. Hier geht es um die konkrete Website: was gefordert ist, woran es scheitert und wie Sie es prüfen.
Die acht Bausteine einer barrierefreien Website
Diese acht Anforderungen bilden den Kern dessen, was WCAG 2.1 AA und WCAG 2.2 AA von jeder Website verlangen. Sie gelten für die Startseite genauso wie für jede Unterseite, jedes Formular und jeden Shop-Schritt:
Kontraste
Text braucht ausreichenden Kontrast zum Hintergrund, damit auch Menschen mit Sehschwäche alles lesen können. Die konkreten Werte und Gestaltungsregeln zeigt der Guide Barrierefreies Webdesign.
Tastaturbedienbarkeit
Alle Funktionen müssen ohne Maus erreichbar sein. Menüs, Formulare, Links: alles per Tab und Enter bedienbar, ohne Tastaturfalle, aus der man nicht mehr herauskommt.
Alternativtexte
Jedes informative Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text. Screenreader lesen diesen Text vor, ohne ihn bleibt das Bild für blinde Nutzer unsichtbar.
Formulare
Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares, programmatisch verknüpftes Label und verständliche Fehlermeldungen. Die Details behandelt der Guide Barrierefreie Formulare.
Überschriften-Struktur
Korrekte Hierarchie ohne Sprünge: H1, dann H2, dann H3. Screenreader-Nutzer navigieren über die Überschriften, eine saubere Struktur ist ihr Inhaltsverzeichnis.
Sichtbarer Fokus
Beim Navigieren per Tastatur muss sichtbar sein, welches Element gerade den Fokus hat. Ohne Fokus-Markierung navigieren Tastaturnutzer blind.
Sprache im Code
Das lang-Attribut im HTML sagt dem Screenreader, in welcher Sprache er vorlesen soll. Fehlt es, klingt deutscher Text schnell wie englisches Kauderwelsch.
Zoom und Textvergrößerung
Nutzer müssen die Seite vergrößern können. Eine Zoom-Sperre im Viewport-Meta-Tag stuft JERVIS als kritischen Befund ein, sie ist zugleich einer der beiden BFSG-Pflichtchecks.
Woran es in der Praxis am häufigsten scheitert
Die meisten Websites scheitern nicht an exotischen Spezialfällen, sondern an wenigen, immer gleichen Fehlerbildern. Diese sechs Verstöße sind die häufigsten Gründe, warum Screenreader-Nutzer oder Menschen mit Sehschwäche eine Seite nicht bedienen können:
Homepage, Webseite, Internetseite: die Pflicht fragt nicht nach dem Wort
Im Alltag werden die Begriffe bunt gemischt: Die Homepage meint mal die Startseite, mal die ganze Website, die Internetseite mal eine einzelne Seite, mal den kompletten Auftritt. Für die Barrierefreiheit ist die Unterscheidung ohne Bedeutung. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz knüpft an die Funktion an: Wer Produkte oder Dienstleistungen an Endverbraucher online anbietet, muss den gesamten digitalen Auftritt barrierefrei gestalten, von der Startseite über jede Unterseite bis zum Bestell- oder Kontaktformular.
Gerade die entscheidenden Schritte, Kontakt, Buchung, Kasse, liegen selten auf der Startseite. Eine Prüfung, die nur die Homepage ansieht, verfehlt deshalb den Kern. Wen die Pflicht genau trifft und welche Ausnahmen gelten, steht im BFSG-Guide.
Wie JERVIS eine Website auf Barrierefreiheit prüft
Das JERVIS Barrierefreiheits-Modul kombiniert die Open-Source-Prüf-Engine axe-core mit eigenen DOM-Checks und prüft nach WCAG 2.2 AA, dem neueren Standard, der WCAG 2.1 AA mit abdeckt:
-
1
Automatisierte Regelprüfung
axe-core prüft unter anderem Kontraste, Alt-Texte, Labels, ARIA-Attribute und Sprachangabe. Die Ergebnisse verdichtet JERVIS zu einer WCAG-AA-Konformitätsquote je Seite.
-
2
Eigene DOM-Checks
Zusätzlich prüft JERVIS Tab-Reihenfolge, sichtbaren Fokus und die Touch-Target-Größe nach WCAG 2.2, dazu die beiden BFSG-Pflichtchecks zu Zoom-Sperre und Skip-Navigation.
-
3
Desktop und Mobile
Jede Seite wird zweimal geprüft, am Desktop- und am Mobile-Viewport, weil viele Barrieren wie zu kleine Touch-Targets nur auf einem der beiden auftreten.
Barrierefrei von Anfang an statt nachgerüstet
Barrieren nachträglich zu beseitigen ist immer teurer, als sie gar nicht erst zu bauen. Wer eine neue Website plant, sollte Barrierefreiheit deshalb als Anforderung von Tag 1 behandeln: saubere Struktur, ausreichende Kontraste im Design-System, beschriftete Formulare und Tastaturbedienbarkeit als Standard, nicht als Sonderwunsch.
Beim Website-Bau mit JERVIS Site PROTECT gehört genau das zum Vorgehen: Die Website entsteht als reines statisches HTML, und zur Launch-QA gehört der komplette JERVIS 12-Modul-Audit, inklusive Barrierefreiheits-Modul. So startet die Website geprüft, statt mit einer Hypothek aus Barrieren.
Häufige Fragen zur barrierefreien Website
Verwandte Themen: Was der Begriff grundsätzlich bedeutet, erklärt die Seite Digitale Barrierefreiheit. Die gesetzliche Pflicht behandelt der BFSG 2025 Guide. Gestaltungsfragen von Farbe bis Typografie zeigt der Guide Barrierefreies Webdesign, die Prüfpraxis der Guide Barrierefreiheit testen. Stand: Juli 2026.
Wie barrierefrei ist Ihre Website heute?
Der kostenlose Website-Check prüft Barrierefreiheit auf bis zu 6 Seiten, mit konkreten Empfehlungen für jede gefundene Barriere.