Modul 5 von 12
Das JERVIS Barrierefreiheits-Modul
Diese Seite dokumentiert, was das JERVIS Barrierefreiheits-Modul technisch prüft und wie es bewertet. Dazu gehören die axe-core-Engine, die zugrunde liegende Open-Source-Prüf-Engine, die WCAG-2.2-AA-Kriterien, der internationale Standard für barrierefreie Websites, die BFSG-Pflichtchecks aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und die Score-Formel dahinter. Für die rechtlichen Details des BFSG, Fristen und Bußgelder, gibt es den separaten BFSG-Guide.
Was Barrierefreiheit für Ihr Unternehmen bedeutet
Eine Website, die sich nicht barrierefrei bedienen lässt, schließt Besucherinnen und Besucher mit Seh-, Hör- oder motorischen Einschränkungen faktisch aus, unabhängig davon, ob diese mit Screenreader, Tastatur oder eingeschränkter Feinmotorik unterwegs sind. Für Ihr Unternehmen bedeutet das schlicht: verlorene Anfragen, abgebrochene Bestellungen und verlorenes Vertrauen bei einer Zielgruppe, die sonst zu Ihren Kundinnen und Kunden geworden wäre.
Seit Juni 2025 ist Barrierefreiheit für viele Unternehmen zusätzlich eine gesetzliche Pflicht: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt den European Accessibility Act in nationales Recht um. Wer betroffen ist und welche Fristen gelten, erklärt der ausführliche BFSG-Guide im Detail. Bleiben die Anforderungen unerfüllt, drohen Abmahnrisiko und behördliche Konsequenzen.
Das JERVIS Barrierefreiheits-Modul macht automatisiert erkennbare Barrieren auf Ihrer Website sichtbar, auf Desktop und Mobile gleichermaßen, mit klarer Priorisierung nach kritisch, Warnung und Hinweis, inklusive der beiden gesetzlich relevanten BFSG-Pflichtchecks. Im Report erhalten Sie eine konkrete Liste der betroffenen Elemente je Seite samt Empfehlung sowie eine WCAG-AA-Konformitätsquote als schnellen Überblick, wie barrierefrei Ihre Website bereits ist und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Was ist das JERVIS Barrierefreiheits-Modul
Das Barrierefreiheits-Modul ist eines von 12 Analyse-Modulen, die JERVIS für eine Website ausführen kann, und läuft als Modul Nummer 5 bereits im kostenlosen Scan mit. Es kombiniert zwei Prüfebenen: automatisierte WCAG-Regelprüfung über die Open-Source-Engine axe-core, eingebunden über die Playwright-Anbindung @axe-core/playwright. Dazu kommen zusätzliche manuelle DOM-Checks, die axe-core nicht abdeckt, etwa Tab-Reihenfolge, sichtbaren Fokus, WCAG-2.2-Kriterien wie die Mindestgröße von Touch-Targets und die gesetzlichen BFSG-Pflichtchecks.
Der Scan läuft im Dual-Viewport-Verfahren: einmal am Desktop-Viewport mit 1920×1080 Pixel, einmal am Mobile-Viewport mit 390×844 Pixel, jeweils mit eigenen Findings. Viele Barrierefreiheitsprobleme, etwa zu kleine Touch-Targets oder Kontrastprobleme durch responsive Layouts, treten nur auf einem der beiden Viewports auf.
Zusätzlich zu den Einzel-Findings berechnet das Modul eine WCAG-AA-Konformitätsquote in Prozent: bestandene axe-core-Regeln geteilt durch die Summe aus bestandenen Regeln und Verstößen. Diese Kennzahl ersetzt keine vollständige manuelle Prüfung, zeigt aber auf einen Blick den automatisiert messbaren Anteil einer Seite.
Die Prüfbereiche im Detail
Jede Prüfgruppe erzeugt ein Finding mit eigener ID, Severity (Schweregrad-Einstufung), Beschreibung und Empfehlung. Die folgenden Gruppen sind nach Herkunft im Modul-Code sortiert.
axe-core: die sechs häufigsten Fehlerbilder
Diese sechs Fehlerbilder sind die häufigsten Gründe, warum Screenreader-Nutzer oder Menschen mit Sehschwäche eine Seite nicht bedienen können.
Farbkontrast
Text und Hintergrund brauchen mindestens 4.5:1 Kontrastverhältnis, große Überschriften mindestens 3:1.
Bilder ohne Alt-Text
Prüft img, input type="image" und svg auf fehlenden Alternativtext. Drei axe-core-Regeln fließen in ein Finding zusammen.
Links und Buttons ohne Text
Erkennt Links und Buttons ohne sichtbaren Text und ohne aria-label, die für Screenreader nicht vorlesbar sind.
Sprachangabe
Prüft das lang-Attribut auf dem html-Element auf Vorhandensein und gültigen Sprachcode. Drei axe-core-Regeln zusammengefasst.
Formular-Labels
Prüft Eingabe- und Auswahlfelder auf ein zugeordnetes Label und erkennt Felder mit mehreren widersprüchlichen Labels.
ARIA-Fehler
Neun einzelne axe-core-Regeln zu ARIA-Attributen, -Rollen und -Elternbeziehungen, dem technischen Markup-Standard für Screenreader-Zugänglichkeit, fließen in ein gemeinsames Finding.
Weitere axe-core-Strukturprüfungen
Zehn zusätzliche axe-core-Regeln decken seltener auftretende, aber ebenso blockierende Strukturprobleme ab. Auch diese Fehler können einzelne Nutzergruppen komplett aussperren, etwa wenn ein Screenreader eine Tabelle oder Liste nicht mehr korrekt vorlesen kann.
WCAG-AA-Konformitätsquote
Zusätzlich zu den Einzel-Findings berechnet das JERVIS Barrierefreiheits-Modul auf axe-core-Basis eine Sammel-Kennzahl. Sie berechnet sich aus bestandenen Regeln geteilt durch die Summe aus bestandenen Regeln und Verstößen, mal 100, gerundet auf eine ganze Prozentzahl. Das Finding trägt die feste ID a11y-wcag-compliance und die feste Severity info, unabhängig vom tatsächlichen Prozentwert. Für Sie ist das der schnellste Indikator, wie barrierefrei Ihre Website im Vergleich zum WCAG-AA-Standard bereits ist, ohne jedes Einzel-Finding lesen zu müssen.
BFSG-Pflichtchecks seit Juni 2025
Zwei Checks prüfen gezielt Anforderungen aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, die axe-core nicht direkt abdeckt. Beide Checks bilden genau die Anforderungen ab, bei denen Verstöße im Rahmen des BFSG rechtlich relevant werden können, deshalb lohnt sich hier besonders schnelles Handeln. Die rechtlichen Details, Fristen und Bußgelder des BFSG erklärt der separate BFSG-Guide.
Zoom deaktiviert
Prüft die Viewport-Meta-Einstellung auf user-scalable=no oder maximum-scale kleiner gleich 1. Höchste Severity, weil Nutzer den Text sonst nicht mehr vergrößern können.
Fehlende Skip-Navigation
Prüft, ob ein Sprung-Link zum Hauptinhalt existiert, über den sich die Navigation per Tastatur überspringen lässt.
WCAG 2.2: Touch-Targets und Hilfe-Konsistenz
Gerade auf dem Smartphone entscheiden wenige Millimeter Trefferfläche darüber, ob ein Nutzer eine Anfrage abschickt oder die Seite frustriert verlässt, ein direkter Conversion-Faktor für mobile Besucher.
Target Size Minimum
Misst jedes interaktive Element, Links, Buttons, Inputs, Select, Textarea sowie Elemente mit passender ARIA-Rolle, per getBoundingClientRect. Unter 24x24 CSS-Pixel gilt als Verstoß gegen WCAG 2.5.8, empfohlen werden 44x44 Pixel für Touch-Bedienung.
Consistent Help
Prüft, ob Hilfe-Mechanismen wie Kontakt, FAQ oder Chat konsistent über Header und Footer erreichbar sind, statt nur über ein einzelnes Chat-Widget.
Tastatur und Fokus
Wer motorisch eingeschränkt ist oder keine Maus bedienen kann, ist auf eine funktionierende Tastatursteuerung angewiesen, ohne sie ist die Website für diese Nutzergruppe schlicht nicht bedienbar.
Tab-Reihenfolge
Erkennt Elemente mit tabindex größer 0. Ein positiver tabindex-Wert überschreibt die natürliche Dokumentreihenfolge und verwirrt Tastaturnutzer.
Sichtbarer Fokus
Prüft, ob im Stylesheet überhaupt :focus- oder :focus-visible-Regeln beziehungsweise focus-visible-Utility-Klassen vorkommen. Fehlen beide, ist der Tastaturfokus vermutlich unsichtbar.
Praxis-Tipp am Rande
Kein Bestandteil der Modul-Prüfung selbst, aber eine schnelle Orientierung für zwei der häufigsten Findings im Code.
Bild ohne Alt-Text
<img src="team.jpg">
<img src="team.jpg" alt="Vierköpfiges Team">
Ohne alt-Attribut liest ein Screenreader nur das Wort "Bild".
Fokus unsichtbar
a:focus {
outline: none;
}
a:focus-visible {
outline: 2px solid
var(--ab);
}
Ohne sichtbaren Fokus verliert ein Tastaturnutzer die Orientierung.
Wie JERVIS bewertet: Severity und Gewichtung
axe-core liefert für jeden Verstoß eine von vier Impact-Stufen. JERVIS bildet diese vier Stufen auf drei Severity-Stufen ab, dieselben drei Stufen, die auch in allen anderen JERVIS-Modulen gelten.
| axe-core Impact | JERVIS Severity |
|---|---|
| critical | critical |
| serious | warning |
| moderate | warning |
| minor / unbekannt | info |
Diese Abbildung ist eine bewusste Vereinfachung: axe-core unterscheidet vier Stufen, JERVIS fasst serious und moderate zu einer gemeinsamen warning-Stufe zusammen. Kritisch bleibt ausschließlich das, was axe-core selbst als critical einstuft, plus die beiden BFSG-Checks, die JERVIS unabhängig von axe-core mit fester Severity vergibt.
Score-Formel
Der Modul-Score startet bei 100 Punkten. Jedes Finding wirkt sich abhängig von seiner Severity unterschiedlich stark auf den Score aus, kritische Befunde deutlich stärker als Warnungen oder Hinweise. Eine Dämpfungsformel sorgt dafür, dass der Score auch bei vielen kleineren Findings nicht abrupt einbricht, bei wenigen schweren Fehlern aber spürbar sinkt. So bleibt der Score auch bei einer hohen Anzahl an Findings noch aussagekräftig, statt bei jedem einzelnen Fund gleich stark nachzugeben.
Gewichtung im Gesamt-Score
Im gewichteten JERVIS-Gesamt-Score einer Seite zählt jedes Modul mit einem festen Gewicht. Im kostenlosen Scan mit seinen fünf Modulen summieren sich die Gewichte exakt auf 1,00:
| Modul | Gewicht |
|---|---|
| Technische QS | 0,15 |
| SEO-Audit | 0,25 |
| Text-Analyse | 0,20 |
| GEO-Prüfung | 0,25 |
| Barrierefreiheit | 0,15 |
| Summe | 1,00 |
Beispiel-Befund: unzureichender Farbkontrast
So sieht ein einzelnes Finding im JERVIS-Report aus, hier am Beispiel eines Farbkontrast-Verstoßes. Titel, Beschreibung und Empfehlung sind die echten Formulierungen aus dem Modul-Code, Element-Selektoren und Trefferzahl sind für dieses Beispiel frei gewählt.
- Finding-ID
a11y-color-contrast- Severity
- warning
- Kategorie
- Barrierefreiheit
- Titel
- Unzureichender Farbkontrast (4 Elemente)
- Beschreibung
- Text und Hintergrund haben ein zu niedriges Kontrastverhältnis. WCAG AA verlangt mindestens 4.5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text.
- Element
.footer-link, .card-meta, .badge-secondaryund 1 weiteres- Empfehlung
- Textfarbe abdunkeln oder Hintergrund aufhellen, bis das Kontrastverhältnis mindestens 4.5:1 erreicht. Tools: WebAIM Contrast Checker.
- Evidence
axe-core rule="color-contrast", impact=serious, nodes=4
Titel, Beschreibung und Empfehlung stammen wörtlich aus dem Modul-Code. Element-Selektoren, Trefferzahl und Evidence-Werte sind für dieses Beispiel frei gewählt und bilden keinen echten Scan ab. Die Severity ist in Wirklichkeit variabel: sie hängt vom axe-core impact-Wert des jeweils betroffenen Elements ab, siehe Tabelle oben.
Bedeutung für Sie: Besucherinnen und Besucher mit Sehschwäche können einen solchen Text nicht zuverlässig lesen, das kostet Sie im Zweifel eine Anfrage. Weil ein zu geringer Kontrast auch WCAG-AA-relevant ist, zählt dieser Befund zugleich zu den Punkten, die im Rahmen des BFSG rechtlich relevant werden können.
Warum Barrierefreiheit zählt
Eine barrierefreie Website lässt sich unabhängig von Seh-, Hör- oder motorischen Einschränkungen bedienen, unabhängig davon, ob jemand eine Maus, eine Tastatur oder einen Screenreader nutzt. Seit Juni 2025 ist das für viele Websites in Deutschland zusätzlich eine gesetzliche Pflicht: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz setzt den European Accessibility Act in nationales Recht um. Ob und in welchem Umfang das BFSG für Ihr Unternehmen gilt, erklärt der ausführliche BFSG-Guide im Detail. Dort finden Sie auch, welche Fristen laufen und welche Konsequenzen bei Verstößen drohen. Hier auf dieser Seite geht es ausschließlich um die technische Prüfung durch JERVIS.
Free Scan oder Audit
Das Barrierefreiheits-Modul ist eines von fünf Modulen im kostenlosen JERVIS-Check, zusammen mit Technischer QS, SEO-Audit, GEO-Prüfung und Text-Analyse. Es läuft dort mit vollem Funktionsumfang, ohne Einschränkung und ohne Registrierung.
Das JERVIS Audit deckt darüber hinaus alle 12 Analyse-Module ab, inklusive Interaktivität, Cross-Page-Auswertung, strategischer Analyse, Brand Voice, Market Intelligence, Agent-Readiness und Image SEO. Der Maßnahmenkatalog priorisiert die Ergebnisse.
FAQ zum JERVIS Barrierefreiheits-Modul
Verwandte Themen: Welche Fristen und Bußgelder das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz vorschreibt, zeigt der BFSG 2025 Guide. Touch-Targets, Overflow und den BFSG-Zoom-Check prüft die Mobile-Optimierung. Wie JERVIS Texte auf Rechtschreibung und Tonalität prüft, zeigt der Guide zur Textqualität. Stand: Juli 2026.
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