Ratgeber
BFSG 2025: Ist Ihre Website barrierefrei?
Seit Juni 2025 ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) Pflicht. Verstöße kosten bis zu 100.000€. Dieser Guide erklärt, was Sie tun müssen.
Wen betrifft das BFSG?
Das Gesetz betrifft alle Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen an Endverbraucher (B2C) anbieten. Hier die wichtigsten Gruppen:
- Betroffen: B2C-Unternehmen die Produkte oder Dienstleistungen online anbieten
- Betroffen: Online-Shops (E-Commerce)
- Betroffen: Dienstleistungswebsites mit Buchungs- oder Kontaktfunktion
- Betroffen: Bankdienstleistungen, Telekommunikation, Transportdienste
- Ausgenommen: Rein B2B-Unternehmen (aber Vorsicht: wenn die Website auch Endkunden anspricht, gilt es)
- Ausgenommen: Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter UND <2 Mio€ Umsatz bei Dienstleistungen)
Wie hoch ist Ihr BFSG-Risiko?
Was fordert das BFSG konkret?
Der gesetzlich geforderte technische Standard ist WCAG 2.1 AA (über die EN 301 549), die internationalen Richtlinien für barrierefreie Websites. Die wichtigsten Anforderungen für Ihre Website:
Kontraste
Mindestens 4.5:1 für normalen Text, 3:1 für große Schrift. Damit auch Menschen mit Sehschwäche alles lesen können.
Tastaturbedienbarkeit
Alle Funktionen müssen ohne Maus erreichbar sein. Menüs, Formulare, Links: alles per Tab und Enter bedienbar.
Alternativtexte
Jedes Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text. Screenreader lesen diesen Text vor, ohne ihn bleibt das Bild unsichtbar.
Formulare
Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares Label. Platzhaltertext allein reicht nicht, er verschwindet beim Tippen.
Heading-Struktur
Korrekte Hierarchie: H1 → H2 → H3. Keine Sprünge. Screenreader navigieren über Headings, eine saubere Struktur ist Pflicht.
Touch-Targets
Interaktive Elemente mindestens 24×24px groß. Auf Mobilgeräten müssen Buttons und Links komfortabel tippbar sein.
Focus-Indikatoren
Sichtbar markieren, wo der Tastaturfokus gerade ist. Ohne Focus-Styles navigieren Tastaturnutzer blind.
Sprache
Das lang-Attribut auf dem HTML-Element definieren. Screenreader brauchen die Sprachinfo für korrekte Aussprache.
Die Pflicht im Detail: BFSG, EU-Richtlinie und DIN EN 301 549
Wer verstehen will, warum die eigene Website unter die Barrierefreiheits-Pflicht fällt, muss drei Ebenen auseinanderhalten. Sie bauen aufeinander auf:
1. Die EU-Richtlinie
Die Richtlinie (EU) 2019/882, der European Accessibility Act (EAA), verpflichtet alle Mitgliedstaaten, Barrierefreiheit für bestimmte Produkte und Dienstleistungen verbindlich zu machen. Sie ist der Ursprung der Pflicht.
2. Das deutsche Gesetz
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt die Richtlinie in deutsches Recht um und gilt seit dem 28. Juni 2025. Es ist das Gesetz zur Barrierefreiheit für die Privatwirtschaft. Für öffentliche Stellen gelten eigene Regeln, dort greifen Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und BITV.
3. Die Norm dahinter
Was "barrierefrei" technisch bedeutet, definiert die europäische Norm EN 301 549, in Deutschland als DIN EN 301 549 veröffentlicht. Für Web-Inhalte verweist sie auf die WCAG 2.1 auf Stufe AA. Wer nach "DIN Barrierefreiheit" für Websites sucht, landet also hier.
Die Kette in einem Satz
EU-Richtlinie 2019/882 verpflichtet, das BFSG setzt um, DIN EN 301 549 konkretisiert, und die WCAG 2.1 AA liefern die prüfbaren Kriterien, von Kontrast bis Tastaturbedienung.
Was passiert bei Verstößen?
Das BFSG ist kein zahnloser Tiger. Die Durchsetzung ist klar geregelt:
- Marktüberwachungsbehörden können bei schwerwiegenden Verstößen Bußgelder bis 100.000€ verhängen (§ 37 Abs. 2 BFSG), bei sonstigen Verstößen bis 10.000€
- Abmahnungen durch Verbraucherschutzverbände sind möglich
- Wettbewerber können über das UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) abmahnen
- Imageschaden: „Nicht barrierefrei“ wird zunehmend öffentlich kritisiert
Checkliste: Ist Ihre Website BFSG-konform?
Gehen Sie diese Punkte durch. Jedes fehlende Häkchen ist ein potenzieller Verstoß:
- Alle Bilder haben Alt-Texte
- Farbkontraste mindestens 4.5:1
- Website komplett per Tastatur bedienbar
- Formulare haben sichtbare Labels
- Heading-Hierarchie korrekt (kein H1→H3 Sprung)
- Touch-Targets mindestens 24×24px
- Skip-to-Content Link vorhanden
- Sprache im HTML-Element definiert
- Focus-Styles sichtbar
- Videos haben Untertitel
Wie JERVIS bei der BFSG-Konformität hilft
JERVIS prüft Ihre Website automatisiert nach WCAG 2.2 AA und deckt damit die automatisiert prüfbaren Anforderungen des BFSG ab; für rechtssichere Konformität ist zusätzlich eine manuelle Prüfung nötig. Sie erhalten einen klaren Fahrplan zur Konformität.
Automatische WCAG-Prüfung
Alle automatisiert prüfbaren WCAG 2.2 AA Kriterien werden systematisch geprüft, auf jeder Seite: Kontraste, Alt-Texte, Tastatur, Labels, Focus, Struktur.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Kein kryptischer Fehlercode, sondern klare Anweisungen: Was ist das Problem, wo genau ist es, und wie beheben Sie es.
BFSG-Konformitätsbericht
Ein dokumentierter Nachweis Ihres aktuellen Stands. Zeigt geprüfte Kriterien, Ergebnisse und offene Punkte. Dokumentation des automatisiert geprüften Stands, keine Konformitätserklärung.
Monatliche Re-Scans im Autopilot
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Jede Änderung an der Website kann neue Verstöße erzeugen. Der Autopilot findet sie sofort.
Die Erklärung zur Barrierefreiheit
Zur Barrierefreiheits-Pflicht gehört auch Dokumentation. Öffentliche Stellen kennen die Erklärung zur Barrierefreiheit seit Längerem über die BITV. Das BFSG verlangt von betroffenen Unternehmen, Informationen darüber bereitzustellen, wie ihre Dienstleistung die Barrierefreiheits-Anforderungen erfüllt. Der Kern ist in beiden Welten derselbe: transparent machen, wo das Angebot steht. Hinein gehört:
Von der Pflicht zur Umsetzung: die Guides zum BFSG
Das BFSG sagt, dass Ihre Website barrierefrei sein muss. Wie das konkret aussieht, haben wir nach Themen aufgeteilt:
Digitale Barrierefreiheit
Was der Begriff bedeutet, die vier WCAG-Prinzipien und die Abgrenzung zur baulichen Barrierefreiheit.
Barrierefreie Website
Die acht Bausteine von Kontrast bis Zoom und die sechs häufigsten Fehler aus der Praxis.
Barrierefreiheit testen
Was automatische Checks finden, was nur manuelle Prüfung erkennt, und die sinnvolle Reihenfolge.
Barrierefreies Webdesign
Farben, die belegten Kontrastwerte 4,5:1 und 3:1, Bilder und Typografie.
Barrierefreie Formulare
Labels, Fehlermeldungen, Tastaturbedienung und verständliche Sprache an der kritischsten Stelle der Website.
WordPress und Barrierefreiheit
Was Plugins ehrlich leisten, warum Overlays die Pflicht nicht erfüllen und wann statisches HTML der sauberere Weg ist.
Häufige Fragen zum BFSG
Prüfen Sie jetzt: Ist Ihre Website BFSG-konform?
Der kostenlose Barrierefreiheits-Check zeigt, wo Sie stehen, mit konkreten Empfehlungen für jede Barriere.